„… wenn wir ihnen dann helfen soziale Wesen zu werden…“

Dieser Satz einer lehrenden Person in meinem Umfeld ließ bei mir in einem sonst sehr konstuktiven und inspirierenden Gespräch alle Alarmglocken leuchten. Alle roten und blauen Inspektionslämpchen leuchteten wild vor sich hin. Im entsprechenden Moment war ich sehr überrascht und konnte gar nix entgegnen. Doch dieser Halbsatz lässt mich seither nicht mehr los. Da ist so ein Blitz, wie in einem widerlegtem mathematischen Beweis, der immer wieder aufzuckt. Neongelb. Möööööp. Denn ich sehe meine kleine Maus hier herumlaufen, zweieinhalb, sie weiß genau, was sie will und was nicht. Sie lernt in ihrem Tempo und ist sehr sozial. Gerade heute morgen hat sie mich auf die niedlichste Arte geweckt. Das sehe ich mit allen kleinen Kindern vor der Schule. Babys heben den Kopf zu ihrer Zeit, rollen und krabbeln zu ihrer Zeit, und lernen Stehen und Laufen, wenn sie bereit sind. Nicht früher. Kein Elternteil würde auf die schwachsinnige Idee kommen, ihrem 9-Monate alten Kind einen Stuhl hinzustellen und zu sagen: „So, mein liebes Kind, es ist Zeit, dass du läufst. Übe bitte drei Mal am Tag für 10 Minuten, dich an diesem Stuhl hochzuziehen. Am Ende der Woche erwarte ich, dass du das kannst.“ So spielen Kinder, womit sie wollen, solange sie wollen, und suchen sich dann etwas Neues. Plötzlich aber werden Kinder sechs oder sieben Jahre alt und starten ihren Weg durch die Schule. Dort sind dann fremde Erwachsene, die ihnen sagen, was sie wann wie lange und wie tief zu bearbeiten haben. Lesen, Schreiben, Rechnen… Englisch, Bio, Chemie. Und nach 12 Jahren erwarten wir junge Erwachsene, die kreativ sind und eine eigene Meinung haben, selbstbestimmt sind und wissen, was sie wollen. Sieht das nur für mich so schräg aus?

Ich habe Erstklässler gesehen, die keine Lust mehr haben auf die Schule oder einzelne Fächer. Der „Zauber“, den die Schule noch auf Kindergartenkinder hat, verfliegt sehr schnell und wird seinem Ruf bei weitem nicht gerecht. Warum kann es nicht der magische Ort sein, an dem „Große ganz tolle Dinge tun“?

Ein Gedanke zu “„… wenn wir ihnen dann helfen soziale Wesen zu werden…“

  1. Ja! Gut beschrieben. Und den Zauber trotzdem immer wieder zu finden, ist eine Schatzsuche…..Denn irgendwo ist er ja hin. Und der Faktor Zeit spielt eine Hauptrolle dabei. Es ist alles doch fast wie bei Michael Ende „Momo“.

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